Auslandspraktikum in China
25. November 2009 | Von Florian | Kategorie: Allgemein
Ich war dieses Jahr von März bis Ende August für ein halbes Jahr in China. Dort habe ich im Rahmen meines Studiums ein Auslandspraktikum bei Liebherr Machinery (Dalian) Co., Ltd. absolviert. Die Firma fertigt in Dalian Hydraulikbagger für den chinesischen Markt, sowie einige Exportländer. Die Stellenausschreibung habe ich dabei auf der Homepage der Deutschen Auslandshandelskammer in China gefunden. Falls man ein Praktikum in China sucht, ist diese Seite wärmstens zu empfehlen. Anzeigen sind für Unternehmen dort kostenlos und deshalb auch zahlreich vertreten.
Ich selbst habe mich ca. ein halbes Jahr im Voraus bei diversen Unternehmen beworben und schließlich nach einigen Bewerbungsgesprächen per Telefon bei Liebherr in Dalian den Zuschlag bekommen. Das Praktikum umfasst die Fortführung eines Projektes zur ERP-Software Implementierung innerhalb des noch jungen Unternehmens. Nach einer Woche bekam ich vom Unternehmen eine offizielle Einladung zugeschickt und damit konnte ich in der chinesischen Botschaft in München mein Visa beantragen. Dort gab es allerdings das Problem, dass ich Student auf dem Formular angekreuzt hatte aber “IT – Professional” auf der Einladung vermerkt war. Aufgrund dieses Wiederspruches bekam ich nur ein Touristenvisum für 30 Tage. Nach Rücksprache mit Liebherr war das aber überhaupt kein Problem, da das Visum vor Ort einfach verlängert werden kann.
Am Tag des Abfluges kam schon ein komisches Gefühl auf, da es sich immerhin um ein halbes Jahr handelte. Allerdings war ich nicht das erste Mal in China und somit erwartete ich nicht einen allzu großen Kulturschock. Um nach Dalian zu kommen, muss man in Peking umsteigen und mit einer chinesischen Airline weiter nach Dalian fliegen. Das dauert ca. 1 Stunde. Damals war ich mit Air China unterwegs. Nach einigen Flügen in China (z.B. nach Shanghai) wurde China Southern zu meinem Favorit, da die Flugzeugflotte aus modernen Airbus Modellen besteht.
Nach der Landung in Dalian war ich doch schon ein wenig müde, doch das Adrenalin hielt mich weiterhin hellwach. Eine Mitarbeiterin von Liebherr wartete samt Fahrer am Airport auf mich. Nachdem ich bemerkte, dass sie sehr gut English konnte, war ich schon mal sehr beruhigt. Wir fuhren dann gleich zur Wohnung, die sie für mich organisiert hatte. Diese war ein wenig klein und eben typisch chinesisch. Da ich recht groß bin (1,90 m), war alles für mich ein wenig klein – auch das Bett und noch dazu sehr hart. Am nächsten Tag fuhren wir zum Ikea (ja sowas gibt es da auch!) damit ich mir eine Grundausstattung an Geschirr etc. kaufen konnte. Am Nachmittag erkundete ich dann die nähere Umgebung und suchte einen Supermarkt. Die Eindrücke überwältigten mich und die Stadt war ganz anders als Peking, das ich schon vorher kennen gelernt hatte. Dalian ist zwar auch eine sehr moderne Stadt und stark im Aufwind, jedoch gibt es auch noch viele Ecken die ganz typisch chinesisch sind (Autos werden auf der Straße repariert und essen gibt es gleich nebenan). Am Abend war ich allerdings aufgrund der Zeitverschiebung noch nicht wirklich müde.
Nach einer eher kurzen Nacht wurde ich am Montag zusammen mit einer anderen deutschen Praktikantin, die verspätet in Dalian angekommen war, von der Liebherr Mitarbeiterin abgeholt. Es ging dann zunächst zur Polizei, damit wir dort mit Adresse registriert werden. Ist Pflicht in China – selbst Hotels müssen ihre ausländischen Gäste melden. Danach ging es dann zur Firma, die in einer Entwicklungszone etwas außerhalb der Stadt liegt (Fahrtdauer ca. eine Stunde). Die Fahrweise der Chinesen war interessanter als jeder Kinofilm. Auch die Ladungssicherung einiger LKWs ist mir noch heute bestens in Erinnerung.
In der Firma angekommen wurden wir zunächst von einer HR Mitarbeiterin herumgeführt und den einzelnen Mitarbeitern vorgestellt. Dies war relativ schnell erledigt, da die meisten der rund 80 Mitarbeiter in der Produktion arbeiten und wir nur durch die Büros gingen. Der Altersdurchschnitt war dabei sehr gering und die Mitarbeiter vielleicht dadurch sehr aufgeschlossen. Normalerweise sind Chinesen eher zurückhaltend und etwas schüchtern, dachte ich mir im Vorfeld zumindest. Mir gefiel die Atmosphäre dort sofort und ich war von den positiven Charakteren der Mitarbeiter sehr positiv überrascht. Das Mittagessen in der Firma war natürlich erst mal eher gewöhnungsdürftig – schmeckte mir aber noch einem Monat sogar richtig. Nur an den Reis konnte ich mich eigentlich nie richtig gewöhnen.
Das Leben außerhalb der Firma war natürlich nicht weniger interessant und der Besuch einer chinesischen Disco bzw. Restaurants war immer wieder ein Erlebnis. Auch Massagen kann ich sehr empfehlen: 2 Stunden Ganzkörpermassage für rund 10€. Wo bekommt man sowas schon in Deutschland? Allerdings gab es dort auch viele Massagestudios die eher weniger mit “nur” Massage zu tun haben. Man sollte also schon darauf achten wo man reinläuft. In der Stadt gab es zumindest in den kalten Monaten sehr wenig westliche Menschen, so dass ich auch aufgrund meiner Größe immer wieder angegafft wurde. Viele Einheimische waren auch sehr interessiert und haben mich immer für einen Amerikaner oder Russen gehalten. Wenn ich sie dann aufgeklärt habe, dass ich Deutscher bin, waren sie sehr angetan. Danach vielen sofort Begriffe wie Mercedes, BMW oder auch Fußballspieler. Ich hatte den Eindruck überall willkommen zu sein und die Menschen waren wirklich überaus freundlich. Leider konnten nur wenige Englisch. Dies erschwerte die Kommunikation auch gerade im Restaurant (ich ging jeden Tag zum Essen – für 1€ war man satt). Um besser zu Recht zu kommen habe ich zusammen mit der anderen Praktikantin chinesisch Unterricht genommen. Die Erfolge ließen nicht lange auf sich warten, da man überall Gelegenheit hatte zu üben. Im letzten Monat war ich wirklich überrascht wie viel ich verstehen und sprechen konnte.
In den sechs Monaten habe ich wirklich sehr viel erlebt und sehr nette Menschen kennen gelernt. Obwohl man in der Stadt Dalian auch eher selten Polizei gesehen hat, war die Sicherheitslage sehr gut. Ich bin nie bedroht oder sonst irgendwie dumm angemacht worden, so wie man das je eher aus Deutschland kennt. D.h. viele Vorurteile gegenüber Chinesen sind definitiv nicht wahr. Ich kann China nur jedem empfehlen – gleichwohl als Urlaubsziel (Hainan) oder auch als Arbeitsort. Wobei ich sagen muss, dass es in Südchina im Sommer schon sehr heiß wird. Dalian befindet sich im Norden von China und ist daher im Sommer eher vergleichsweise kühl wie in Deutschland. Rundum eine super Erfahrung, die sich auch prächtig in meinem Lebenslauf macht!
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Flori, China liebt Dich